Einführende Gedanken

Ein kleiner Ring
Begrenzt unser Leben,
Und viele Geschlechter
Reihen sich* dauernd,
an ihres Daseins
Unendliche Kette

In der letzten Strophe des Gedichts «Grenzen der Menschheit» spricht Johann Wolfgang von Goethe die Geschlechterfolge an, die sich «an ihres Daseins unendliche Kette» anreiht. (*1)

In unseren 8 Vorfahren – Familien sind es bis und mit zu unseren Eltern je nachdem zwischen 5 (Mühlethaler) und 10 Generationen (Mühlemann). Über alle 8 Familien zusammen gerechnet sind es 59 Generationen, die zwischen ca. 1580 und 2012 auf dem Gebiet der heutigen Schweiz gelebt haben. Und die Generationenfolge geht weiter.

Trotz aller Rückschläge, Krisen, Katastrophen und wirtschaftlicher Schwierigkeiten haben die Vorfahren nicht aufgegeben und immer wieder versucht, sich neue Existenzen aufzubauen. Sie sind nicht ausgewandert, um im Ausland ein besseres Leben zu suchen. Sie sind hier geblieben und haben beim wirtschaftlichen Aufbau der Schweiz und beim Aufbau einer Zivilgesellschaft mitgeholfen. In den zwei Weltkriegen haben die Männer dem Land als Soldaten und Unteroffiziere gedient. Ein Vorfahre erfüllte im Zweiten Weltkrieg eine wichtige Aufgabe im zivilen Bereich. Die Frauen sind als Lehrerin, Bäuerin, Lehrtochter in der Verwaltung etc. während dem Ersten und Zweiten Weltkrieg in die Lücken gesprungen und haben die Aufgaben der abwesenden Männer übernommen. Für diese Leistungen gebührt den Vorfahren und Vorfahrinnen die Wertschätzung der Nachgeborenen.

Die Geschichten der 8 Familien sind eher banal. Es fehlt das Aussergewöhnliche, Exotische. Aber vielleicht ist das Leben dieser Menschen gerade deshalb interessant: So oder ähnlich wie sie haben viele Zeitgenossen gelebt. Die Ausführungen geben Hinweise auf das Alltagsleben von Menschen auf dem Land seit dem 16. Jahrhundert in der Alten Eidgenossenschaft und nach deren Untergang bis ins 20. Jahrhundert in der Schweiz. Ich gehe davon, dass die Lebensverhältnisse in den 8 erwähnten Orten, sich auch auf andere Dörfer übertragen lassen. Bis um 1800 waren in der Schweiz ca. 70 % der arbeitenden Bevölkerung in der Landwirtschaft beschäftigt. (2) «Die Urbanisierung war wenig fortgeschritten, noch um 1850 wohnten in der Schweiz 88 % der Bevölkerung in Siedlungen mit weniger als 5000 Einwohnern.» (3) Ende 2018 lebten in der Schweiz 84,8 Prozent der Bevölkerung in städtischen oder Agglomerations- Gebieten. (4)

Im Ersten Teil der Arbeit wurde anhand von Beispielen das Alltagsleben von Menschen auf dem Land seit ca. 16. bis ins 20. Jahrhundert geschildert.

Im Zweiten Teil möchte ich unter «Reflexionen» die Themen «Alltagsleben» und «Mittelschicht» vertiefen, erweitern und geschichtlich einordnen.

Ich lege zudem den Fokus auf die Situation von Menschen aus dem Mittelstand heute und wage einen Ausblick.